Zur feierlichen Übergabe der SCORA-Plakette fand am 23. Juni 2026 in der Aula des Heinrich-Heine-Gymnasiums eine Abendveranstaltung von SCORA – Schools Opposing Racism and Antisemitism statt. Damit ist das HHG nun offiziell eine SCORA-Schule. Für einen stimmungsvollen Auftakt sorgten Daniel Braun, Jonathan Hagenmeyer und Frau Sedkowska, welche die Veranstaltung gesanglich mit einem hebräischen Lied über „Brücken“ eröffneten, wobei sie von Sara Braun auf der Geige begleitet wurden.
In ihrer Begrüßungsrede betonte die Schulleiterin Frau Vamosi die Bedeutung von Begegnung und Dialog. Menschen könnten sich nicht isoliert verstehen, sondern würden durch ihre unterschiedlichen Überzeugungen, Erfahrungen und Geschichten geprägt. Nur durch den Austausch miteinander sei es möglich, voneinander zu lernen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Dialog bedeute dabei nicht nur Zuhören und die Bereitschaft, sich auf die Perspektive des Gegenübers einzulassen, sondern ebenso wichtig sei es, einen eigenen Standpunkt zu haben. Wenn Menschen bereit seien, voneinander zu lernen und mehr übereinander zu erfahren, könnten Vorurteile abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden. Gerade hier liegen eine Aufgabe und Schnittstelle von Schule: Räume zu schaffen und Brücken zu bauen, in denen unterschiedliche Sichtweisen respektvoll aufeinandertreffen können. So würden – passend zum Bild des gesungenen Liedes – Brücken zwischen Menschen entstehen. SCORA leiste hierzu einen wichtigen Beitrag, indem Begegnungsräume geschaffen werden, in denen Gemeinschaft entstehen und Vielfalt erlebt werden kann.
Die damit verbundene Freiheit, anderen Menschen begegnen zu können, bringe zugleich Verantwortung mit sich. Die Schulleiterin Frau Vamosi verwies auf verschiedene Projekte und Initiativen der Schule. So hat sich die HEINE-HILFT-AG beispielsweise bei der Reinigung von Stolpersteinen engagiert und die SMV hat sich an der Friedenslicht-Aktion, die in Jerusalem startete, beteiligt. Darüber hinaus finden Fortbildungen für Lehrkräfte statt.
Anschließend sprach Frau Rugart, Abteilungspräsidentin des Regierungspräsidiums und Schirmherrin von SCORA, und hob hervor, dass die Veranstaltung das Wertefundament des HHGs sichtbar mache. Die Vielzahl der Angebote und Aktionen zeige das große Engagement aller beteiligten Schülerinnen und Schüler. Auch sie griff das Bild der Brücke auf, indem sie wie Daniel Braun darauf hinwies, dass manche Brücken schmal und herausfordernd zu überqueren seien. Umso wichtiger sei es, gemeinsam Wege zu finden, die Menschen nicht ausgrenzen, sondern verbinden und ein menschliches Miteinander ermöglichen.
Ein weiteres Thema ihrer Rede war die Bedeutung des SCORA-Symbols. Die bunte Plakette wurde mit verschiedenen Bildern wie einem Herz, Engelsflügeln, einem Baum oder einer Fontäne assoziiert. Tatsächlich setzt sie sich aus zwei unterschiedlichen Fingerabdrücken zusammen, die gemeinsam die Form eines Herzens bilden. Dabei steht die Vielfalt der Farben für die unterschiedlichen Menschen, die zusammenkommen und eine Gemeinschaft bilden. SCORA richtet sich bewusst an alle Menschen – unabhängig davon, ob sie religiös sind oder nicht. Ebenso betont Frau Rugart, dass es gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten nicht darum gehe zu polarisieren, sondern gemeinsame Wege zu suchen. Der Ansatz von SCORA sei einladend, stärkend und inklusiv.
An dieser Stelle erfolgte die Übergabe der Plakette, die nun eine weitere Ehrung für das HHG darstellt. Die Schulleiterin dankte deshalb ausdrücklich dem Kollegium, den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern für ihren Einsatz, ohne den viele Projekte und Aktionen nicht möglich wären.
Anschließend stellte Frau Sedkowska, die sich federführend für SCORA einsetzt, die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit innerhalb von SCORA vor. „SCORA meet“ bezeichnet Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen, bei denen Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Religion miteinander ins Gespräch kommen. „SCORA net“ steht für ein Netzwerk von Schulen und Kooperationspartnern, die sich für Dialog, Demokratiebildung und den Abbau von Vorurteilen einsetzen. Mit „SCORA twin“ werden langfristige Partnerschaften zwischen Schulen beschrieben, die einen regelmäßigen Austausch und gemeinsame Projekte ermöglichen. Unsere Partnerschule ist seit Oktober 2025 die Shai-Agnon-Schule in Netanja, Israel. Ein erster Austausch fand in Form einer Drittortbegegnung in den Herbstferien 2025 in Budapest statt. Auch bei „SCORA meet“ war das HHG schon aktiv mit dabei. Bei dem ersten großen Treffen in Stuttgart 2024, bei welchem Jugendliche aus vier Ländern (Deutschland, Israel, USA und Indien) zusammenkamen, nahmen 15 Schülerinnen und Schüler unserer Schule teil. Im Jahr 2025, in welchem „SCORA meet“ in einem etwas kleineren Rahmen in Raipur, Indien, stattfand, waren ebenfalls wieder einige HHG-ler mit Begeisterung dabei.
Sara Nahm berichtete von ihren Erfahrungen bei einer sogenannten Drittortbegegnung. Neben gemeinsamen Aktivitäten und vielen positiven Erlebnissen seien dort auch ernste Themen zur Sprache gekommen. Dabei habe sie sich beispielsweise gefragt, wie man jüdische Jugendliche nach ihren Erfahrungen und Ansichten fragen könne, ohne sie zu verletzen. Gerade solche Fragen zeigten, wie wichtig Sensibilität und gegenseitiger Respekt in Begegnungen seien.
Auch Frau Sedkowska sprach die Herausforderungen an, die bei den Begegnungen auftreten können. Wenn beispielsweise palästinensische und jüdische Jugendliche zusammenkommen, entstünden mitunter Spannungsfelder und unterschiedliche Sichtweisen. Umso wichtiger sei jedoch die Arbeit von SCORA. Das Projekt schaffe eben jene Räume und Brücken, in denen solche Begegnungen möglich werden und Menschen trotz bestehender Unterschiede miteinander ins Gespräch kommen können.
Im Anschluss daran gab es bei sommerlich sehr heißen Temperaturen einem kleinen Umtrunk im Foyer des HHGs, wo Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Gäste miteinander sprechen konnten.
Von Nadja Schmidt
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