Am 23. April 2026 nutzten über hundert Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 9 des HHG den Girls’ und Boys’Day, um Berufe und Studienfelder direkt vor Ort kennenzulernen.
Bundesweit steht der Tag in diesem Jahr unter dem Motto „Dein Tag, dein Weg!“ und markiert zugleich ein Jubiläum: Der Girls’Day findet zum 25. Mal, der Boys’Day zum 15. Mal statt. Tausende Unternehmen und Einrichtungen beteiligen sich mit insgesamt über 24.000 Angeboten und fast 180.000 Plätzen.
Der Aktionstag zur beruflichen Orientierung findet jährlich statt und richtet sich insbesondere an Mädchen, die dabei Einblicke in Tätigkeiten gewinnen, in denen bislang vorwiegend Männer arbeiten – von Informatik über industrielle Technik bis hin zum Handwerk. Junge Frauen sind hier ausdrücklich gefragt. Jungen lernen vorwiegend soziale, pflegerische und erzieherische Tätigkeiten kennen – jeweils in Feldern, in denen sie bislang unterrepräsentiert sind. Genderqueere Jugendliche sind ebenso eingeladen; bei Unsicherheit, welcher Tag passender ist, unterstützen die Organisatorinnen und Organisatoren bei der Entscheidung.
Die Aktionstage reagieren damit auf eine Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz rasant verändert, und setzen auf unmittelbare, praktische Erfahrungen statt bloßer Theorie.
Am Heinrich-Heine-Gymnasium zeigte sich der Praxisbezug ganz konkret: Zwei Sechstklässler verbrachten ihren Aktionstag in einem Seniorenheim in Esslingen. Beide beschrieben die Stunden dort als äußerst lehrreich. Sie räumten nach dem Frühstück ab und halfen später bei der Ausgabe des Mittagessens. Einer der Jungen brachte seine Eindrücke so auf den Punkt: Er habe bisher geglaubt, seine Großeltern seien alt – jetzt verstehe er, was hohes Alter wirklich bedeute.
Auch aus den Familien kommt positive Rückmeldung. Eltern betonen, wie sehr soziale Praktika den Blick weiten und Verantwortung fördern. Wer solche Einsätze erlebt, gewinnt Sicherheit im Umgang mit Menschen, vertieft Empathie und erhält zugleich wertvolle Orientierung für künftige Bildungs- und Berufsentscheidungen. Eine Mutter fasste es eindrücklich zusammen: Ihr Sohn sei an diesem Tag regelrecht „gewachsen“; die Begeisterung sei spürbar gewesen. Wer den Schritt aus dem Klassenzimmer in die Praxis wagt, kehre mit mehr Erfahrung, größerer Selbstständigkeit und erweitertem Horizont zurück.
Auch außerhalb der Pflege sammelten die Jugendlichen vielfältige Erfahrungen: Einige arbeiteten in der Gastronomie mit, andere schnupperten in die Forschung am Fraunhofer-Institut, unterstützten in der Bibliothek oder halfen an Grundschulen und in Kindergärten. Besonders eindrucksvoll berichtete eine Neuntklässlerin von ihrem Tag am Landgericht Stuttgart, wo sie Gerichtsalltag aus nächster Nähe erlebte und Einblicke in juristische Abläufe gewann.
Deutschlandweit zählen Girls’Day und Boys’Day inzwischen zu den größten Initiativen zur Berufsorientierung. Seit dem Start haben über 2,6 Millionen Mädchen und rund 500.000 Jungen teilgenommen. Evaluierungen zeigen spürbare Effekte: Nach dem Girls’Day steigt etwa das Interesse an IT- und handwerklichen Berufen deutlich; beim Boys’Day wächst die Offenheit für soziale und erzieherische Tätigkeiten. Damit tragen die Aktionstage dazu bei, eingefahrene Rollenbilder zu hinterfragen, die Vielfalt in MINT-Studiengängen zu erhöhen und gleichermaßen das Interesse von Jungen an sozialen Berufen zu stärken.
Die Bilanz des Tages fällt entsprechend positiv aus: Ein einziger Tag kann Perspektiven verschieben und den Weg für selbstbewusste Entscheidungen ebnen – ganz im Sinne des Mottos „Dein Tag, dein Weg!“. Gleichzeitig profitieren Unternehmen und Institutionen, die frühzeitig engagierte Nachwuchskräfte erreichen. So wird aus einem Blick durchs „Schlüsselloch“ oft der Beginn einer klareren beruflichen Richtung.
Von Barbara Lempp
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