HHG-Schülersprecher diskutierten auf dem Podium mit
Mit einem starken ersten Abend ist in Nürtingen die Reihe „Demokratie jetzt! – Eine Trilogie für Gemeinsinn, Kultur und Sport“ gestartet. Der Auftakt in der Alten Sporthalle der HfWU stand unter dem Thema „Die Arbeit am Gemeinsamen – Gemeinsinn, Medien und Partizipation“. Damit wurde ein Ton gesetzt, der für die gesamte Reihe maßgeblich ist: Demokratie soll nicht parteipolitisch verengt, sondern aus der Bürgergesellschaft heraus neu ins Gespräch gebracht werden.
Die Reihe wurde eröffnet von Josef Krieg, Präsident des Rotary Clubs Nürtingen-Kirchheim/Teck. Er erinnerte dabei an einen Satz von Hape Kerkeling: „Demokratie ist kein Geschenk, das man einmal erhält und dann besitzt; sie ist ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue verteidigen muss.“ Genau darin liegt auch der Anspruch der Reihe „Demokratie jetzt!“: Demokratie nicht als Besitzstand zu behandeln, sondern als gemeinsame Aufgabe.
Die Reihe richtet den Blick auf jene Voraussetzungen, ohne die eine lebendige Demokratie nicht bestehen kann: Auf Gemeinsinn und ehrenamtliches Engagement, auf Kultur und Bildung als Formen gesellschaftlicher Selbstvergewisserung und auf eine öffentliche Kommunikation, die gemeinsame Wirklichkeit überhaupt erst entstehen lässt. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg bildet dabei den Anlass, nicht aber das eigentliche Zentrum. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie demokratisches Zusammenleben im Alltag getragen, geschützt und weiterentwickelt werden kann.
Auf dem Podium diskutierten Stefanie Schneider, Landesrundfunkdirektorin des SWR, Thomas Franke von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Dr. Christiane Kohler-Weiß, Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen, sowie die beiden Schülersprecher Anestis Aryropoulos und Nicole Bachayan vom Heinrich-Heine-Gymnasium, Nellingen. Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Rainer Nübel. Rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten eine Diskussion, die sich schnell als vielschichtig und lebensnah erwies. Im Zentrum standen Fragen nach Vertrauen, Mediennutzung, demokratischer Streitkultur und den Bedingungen gelingender Partizipation.
Deutlich wurde gleich zu Beginn, dass demokratische Öffentlichkeit unter veränderten Bedingungen stattfindet. Klassische Medien haben ihre frühere Stellung als nahezu unangefochtene Gatekeeper weitgehend verloren. An ihre Stelle ist eine vielfältigere, aber auch unübersichtlichere Kommunikationslandschaft getreten, in der Kritik, Kampagnen, Empörung und algorithmisch verstärkte Wahrnehmungen eine größere Rolle spielen. Gerade deshalb kommt der Frage nach seriösen Quellen, journalistischer Verantwortung und neuer Medienkompetenz eine wachsende Bedeutung zu.
Dabei ging es nicht um nostalgische Medienkritik, sondern um die demokratische Grundfrage, wie Menschen heute noch zu einer gemeinsamen Wirklichkeit finden können. Mehrfach wurde angesprochen, dass viele Menschen Nachrichten und Kommentar kaum noch unterscheiden können, dass soziale Medien dazu neigen, nur jene Inhalte zu spiegeln, die den eigenen Überzeugungen entsprechen, und dass dadurch Blasen entstehen, aus denen der Blick auf das Gemeinsame leicht verloren geht. Umso dringlicher erscheint es, Räume zu schaffen, in denen wieder Orientierung, Widerspruch und Resonanz möglich werden.
Ein zweiter wichtiger Strang des Abends betraf die demokratische Kultur selbst. Demokratie ist kein Wohlfühlraum, in dem jeder recht bekommt. Sie verlangt die Fähigkeit, Unterschiedlichkeit auszuhalten, andere Haltungen nicht vorschnell moralisch zu entwerten und dem Andersdenkenden seine Würde zu lassen. Gerade darin zeigte die Diskussion ihre Stärke. Sie suchte nicht den schnellen Konsens, sondern nahm ernst, dass demokratisches Zusammenleben eine anstrengende, bisweilen auch konfliktbeladene Praxis ist. Zuhören, Aushalten, Respekt und Streitfähigkeit erschienen an diesem Abend nicht als abstrakte Werte, sondern als konkrete gesellschaftliche Aufgaben.
Besonders eindrücklich war zudem der Hinweis, dass Demokratie auf soziale Orte angewiesen ist. Wenn klassische Begegnungsräume verschwinden, wenn Vereine, Kneipen oder lokale Treffpunkte an Bindekraft verlieren, dann gerät auch die demokratische Alltagskultur unter Druck. Umso wichtiger sind neue Formate, in denen Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen. Genannt wurden dafür ganz unterschiedliche Beispiele – von der Vesperkirche über Gasthausgespräche und thematische Spaziergänge bis hin zu Vereinen als Orten politischer Bildung im besten Sinn. Demokratie braucht nicht nur Institutionen, sondern Gelegenheiten des gemeinsamen Tuns.
Dass mit Anestis Aryropoulos und Nicole Bachayan auch zwei junge Stimmen auf dem Podium vertreten waren, war dabei weit mehr als ein symbolisches Signal. Ihre Beiträge machten deutlich, dass Fragen demokratischer Meinungsbildung bereits in der Schule virulent sind und dass digitale Mediennutzung gerade bei jüngeren Menschen früh prägend wird. Zugleich entsprach ihre Beteiligung genau dem Anspruch der Reihe, unterschiedliche Generationen zusammenzubringen und demokratische Kultur nicht nur zu beschreiben, sondern sichtbar zu praktizieren.
So war dieser Auftakt mehr als eine Podiumsdiskussion. Er war ein öffentlicher Versuch, Demokratie wieder als gemeinsame Aufgabe erfahrbar zu machen. Nicht als Parole, nicht als moralische Belehrung, sondern als Einladung zur Beteiligung, zur Auseinandersetzung und zum Zuhören. Genau darin liegt die Stärke der Reihe „Demokratie jetzt!“: Sie erinnert daran, dass die Grundlagen demokratischen Zusammenlebens in der Bürgergesellschaft liegen – dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, öffentlich sprechen, einander widersprechen und dennoch am Gemeinsamen arbeiten.
Die Reihe wird fortgesetzt am 7. Mai 2026 im Schloss Köngen mit der Frage nach der Rolle der Kultur für die demokratische Entwicklung sowie am 11. Juni 2026 in Kirchheim mit dem Thema „Der Sport lebt vom Ehrenamt“.
Auch am 7. Mai dürfen Anestis und Nicole wieder auf dem Podium dabei sein. Herzliche Einladung an alle Interessierten.
Von Sigrid Cosack-Krieg
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