Fiktive, von Schüler*innen selbst verfasste Hörstücke entführen die Zuhörenden in vergangene Zeiten und lassen historische Persönlichkeiten wie Anselm von Nellingen, Beethoven, Marie Curie, Käthe Kollwitz, Helene Lange, Eduard Mörike und viele weitere lebendig werden. Durch das Scannen von QR-Codes können die Geschichten direkt an den jeweiligen Orten in Ostfildern erlebt werden – eine ganz besondere Zeitreise mitten in der Stadt.
Doch bevor das Projekt in die Öffentlichkeit ging, mussten die Schüler*innen der Kunstprofilklasse 9ab einiges an Vorarbeit leisten.
Alles begann am 27. Juni 2024 mit einer Exkursion ins Stadtarchiv Ostfildern. Dort gab Stadtarchivar Herr Bender eine spannende Einführung in seine Arbeit und erklärte, welche Aufgaben ein Stadtarchiv hat und stellte uns einige spannende Exponate des Stadtarchivs vor. Im Folgenden bekam jede*r Schüler*in eine nach einer bekannten Persönlichkeit benannte Straße, Gasse oder einen Weg in Ostfildern zugewiesen – von berühmten Komponisten über Wissenschaftlerinnen bis hin zu Dichtern und Vordenkerinnen war alles dabei.
Anschließend ging es an die eigentliche Recherche: Welche Lebensgeschichten stecken hinter diesen Namen? Wie war die Gesellschaft der damaligen Zeit? Welche Zahlen, Daten, Fakten sind eventuell relevant für die eigene Hörspielidee?
Mit diesem Pool an Informationen begannen die Schüler*innen, ihre eigenen fiktiven Drehbücher zu verfassen. Dabei galt es, gekonnt historische Fakten mit ausgedachten erzählerischen Elementen zu verbinden, um den Zuhörenden ein lebendiges Bild einer möglichen Vergangenheit zu vermitteln.
Doch eine Geschichte wird erst durch erzählende Stimme, Atmosphäre und Klang richtig lebendig – deshalb folgte eine intensive Unterrichtsphase zu Sounddesign und Geräuschgestaltung. Die Schüler*innen erfuhren, wie Geräuschemacher*innen und Sounddesigner*innen arbeiten, welche Techniken sie verwenden und wie Klänge durch verschiedene Materialien erzeugt werden. Anschließend lernten sie die Programme „Audacity“ und „GarageBand“ kennen, mit denen sie ihre Hörstücke aufnehmen und bearbeiten konnten.
Dann wurde es praktisch: Erste Stimm- und Geräuschaufnahmen wurden gemacht, getestet und überarbeitet. In einem Exkurs zum Thema „Wie nehme ich die Welt hörbar wahr?“ setzten sich die Schüler*innen mit der Wahrnehmung und Wirkung von Klang auseinander – wie beeinflussen Geräusche unsere Vorstellungskraft? Wie lässt sich allein durch Ton eine bestimmte Stimmung erzeugen? All das floss in die Gestaltung der Hörspiele ein.
Nach zahlreichen Einzelberatungen und Plenumsbesprechungen nahm jedes Hörstück schließlich seine endgültige Form an. Abgerundet wurde das Projekt durch individuell gestaltete Hörspielcover, die die jeweilige Geschichte visuell einfangen. Die fertigen Werke wurden erstmals am Tag der offenen Tür am 21. Februar 2025 in den Kunsträumen des Heinrich-Heine-Gymnasiums präsentiert. Dort konnten Besucher*innen die Hörstücke auf umgebauten Tastentelefonen anhören – eine kreative Möglichkeit, die Geschichten hautnah zu erleben.
Ab dem 24. März 2025 ist der QR-Kunst-Hörspaziergang schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich: Zunächst gibt es die Möglichkeit, zu den regulären Öffnungszeiten des Stadtarchivs bei Herrn Bender die Hörstücke über die umgebauten Tastentelefone anzuhören. Hinzukommt, dass sich an verschiedenen Straßenschildern in Ostfildern die QR-Codes befinden, die direkt zu den Hörstücken führen. Wer den Code scannt, kann das dazugehörige Hörspiel online abrufen und die Stadt aus einer völlig neuen Perspektive entdecken. Zusätzlich werden die Geschichten vom 24. März bis 29. Juli 2025 auch direkt online über https://hoerspiele.hhg-ofi.de abrufbar sein.
Mit diesem Projekt verbindet die Kunstprofilklasse 9ab auf interdisziplinäre Weise Kunstgattungen mit Geschichte und digitaler Technik. Zum 50-jährigen Bestehen der Stadt Ostfildern entsteht eine Klangbühne, auf der historische Persönlichkeiten ihre Geschichten erzählen – also Smartphone raus und auf Zeitreise gehen!
An dieser Stelle sei noch ausdrücklich und herzlich allen Kunstprofiler*innnen, den mitwirkenden Familien, Verwandten, Freund*innen, und Unterstützenden (insbesondere J. Bender, O. Simoneit, S. Dörfner, M.Dabrowski) gedankt, ohne die dieses herausfordernde Projekt nicht möglich gewesen wäre.
Von Dilini Keethapongalan